Die Berliner Hauptschule ist ein sterbendes und bald schon entsorgtes Relikt der Geschichte. Nun wird alles gut: Die neugeschaffende Sekundarschule läuft mit dem 7. Jahrgang im laufenden Schuljahr an, alle anderen Schulformen – bis auf das Gymnasium – gehen in ihr auf, was in meinem konkreten Fall bedeutet, dass zwei zusammenzulegende Schulstandorte (Entfernung: knapp 3km) unter der Leitung des ehemaligen Realschuldirektors, der drei Tage an der einen und zwei Tage an der anderen Schule residiert, seit dem letzten Sommer fusionieren. Im ehemaligen Realschulgebäude werden die neuen 7. Sekundarschulklassen und die auslaufenden 8., 9. und 10. Realschulklassen beschult und im ehemaligen Hauptschulgebäude verläuft die Resteverwaltung der Hauptschulklassen 8, 9 und 10 zuzüglich aller strafversetzten Ex-Realschüler, da nun das Verfahren der Umsetzung durch die Zusammengehörigkeit der beiden Schulen ganz unbürokratisch und flugs über die Bühne gehen kann. Ein Teil des ehemaligen Hauptschulkollegiums wurde schon in die Realschule versetzt. In der Ex-Hauptschule ist die Stimmung entsprechend wie auf einem alten Kahn, der seinen letzten Fischfang machen soll und fast auseinander fällt, was sich natürlich „überhaupt nicht“ auf die Schüler, die eh schon schwierig sind, auswirkt. Von Lernatmosphäre keine Spur, es ist ein K(r)ampf ums Überleben auf allen Seiten. Das alte Kollegium fällt auseinander, kein Mensch interessiert sich mehr für diese Schule samt Insassen und es ist unglaublich schwer, sich selbst, geschweige denn die verbliebenen Schüler zu motivieren. Aus diesem Grund habe ich so lange keine Einträge mehr vorgenommen, mir fehlten schlichtweg die Worte und Jammern ist ja auch nicht hilfreich. Irgendwann geht es ja auch wieder geordneter zu, wenn dann tatsächlich nur noch Sekundarschulen existieren, es sei denn, die Berliner Regierung wechselt und beschließt die nächste Schulreform, da kann man sich nicht wirklich sicher sein…

Neulich sahen wir mit unserer 8.Klasse einen „Was ist was?“ – Dokufilm für Kinder, um zu ergründen, wie Flugzeuge eigentlich gebaut sind usw. Anschließend, also nach nochmaligem Anschauen des entsprechendes Abschnittes, sollten die Schüler skizzieren, dass durch die Form der Tragflächen die vorbeiströmende Luft bei einer hohen Geschwindigkeit oben einen Sog erzeugt, der das Flugzeug quasi hebt und unterhalb der Tragflächen einen Druck/Auftrieb… Dann hätte noch erwähnt werden können, dass die erforderliche Geschwindigkeit durch Propeller oder Düsentriebwerke erreicht wird.

Hier ein paar Leckerbissen:

Ein Flugzeug Funktioniert durch pupelo, Düselwerk, Driebswert und Flügel.

Flugzeuge können oben wöhlt und oben Flach. Auf den Feststellen das de Reder kan man nicht linkst oder Rechts fliegen.


Flugzeug fliegt wie ein vogel mit motor.

Wie das Flugzeug fliegt ist ein Geheimnis des Luft.

Ich erwähne es immer wieder gerne: Alle Schüler wurden in Berlin geboren und „aufgezogen“.

Verknüpfung

7. Juni 2009

Nach dem Schauen eines Filmes zur Entwicklung und Produktion von Autos sollten die Schüler einer 9.Klasse Fragen zum Inhalt des Films aufschreiben und beantworten… Eine Schülerin schreibt:

Wer gilt als Erfinder des Autos? Gott liebt Damla, Nikolaus August Otto und Carl Benz.

Na, wer verbirgt sich wohl hinter Gott liebt Damla?

Ein anderer Schüler nennt ihn God lieb Dadla…

Neulich war Güner Balci mit ihrem Team von Panorama in Neukölln …

Es ist ein Kreuz! Was soll ich denn nur tun, um diesen Jugendlichen zu helfen, was ihr aktives Deutsch anbelangt?!  Wie schon im letzten Blogeintrag beschäftigt uns gerade die Oberfläche Amerikas. Dies ist eingebunden in ein fächerübergreifendes Thema und festigt nochmal das Arbeiten mit dem Atlas, das Lesen einfacher Sachtexte mit Markieren und Herausschreiben wichtiger Informationen (=Texte verstehen) und dann mithilfe dieser Stichpunkte das Halten eines Minireferates, bei dem der Schüler an der Wandkarte die jeweilige Großlandschaft zeigt und dann etwas über die Oberflächenform erzählt. Ich bat die Schüler, einen Abschnitt (z.B. Die Bergländer) schriftlich mit den Stichpunkten so auszuformulieren, wie sie es im Vortrag machen würden. Wie gesagt, wir haben im Vorfeld einfache Sachtexte gelesen, darüber gesprochen, Fotos und die Karte betrachtet (auch um endlich einmal zu verstehen, dass grüne Farbe auf einer physischen Karte NICHT bedeutet, dass da Bäume wachsen, sondern dass es sich um Tiefland handelt…), gemeinsam Stichpunkte erarbeitet usw. usf.

Einige Schüler haben es wirklich ganz gut gepackt, aus den Stichpunkten wieder Sätze zu formulieren, einige waren so pseudoclever, die Sätze gleich mal aus dem Sachtext abzuschreiben und hier sind wieder einige, bei denen ich „Gehirnschmerzen“ bekomme und wohl meinen Beruf wegen Unfähigkeit und Ratlosigkeit aufgeben möchte:

Die Bergländer:

(Stichpunkte waren: Höhen von bis zu 3000m/ Bergland von Guayana im Norden Südamerikas / Brasilianisches Bergland / steigt an der Ostküste steil an / fällt zum Landesinneren allmählich ab/ im Innern mächtige Tafelberge)

Es ist knapp 3000m hoch. Das Bergland steigt nach oben und in der Ostküste fällt es steil zum Landesinneren allmählich ab. Die mächtigen Tafelberge werden vom Wasser mitgenommen.

Die Bergländer knap 3000km hoch das Brasilianische Bergland steigt und fallt Landsinn allnahmlich ab die machtige Tafelberge und beeindruckende Wasserfall

Das Brasilianische Bergland ist das Bergland von Guayana. Die maximale Höhe von knapp 300m steigt an der Ostküste teil an und fällt zum Landesinneren allmählich ab. Im Inneren der Bergländer schupfen die Flüsse mächtige Tafelberge…

Zwei davon träumen vom Mittleren Schulabschluss… Alle drei sind fleißige Schüler, die sich redlich bemühen.

Oberflächlich?

3. Mai 2009

Aufgabe in einer 8.Klasse (zur Festigung des behandelten Unterrichtsstoffes):

Beschreibe mit Hilfe der Karte die Oberflächenformen Amerikas!

Zitate:

Die Gebirge fließen von Nordamerika bis Südamerika in die westliche Himmelsrichtung.

Anden liegt Nort-Süd im Süamerka Ticalasee liegt Nort-West im Nordamerika.

Es gibt viele Berge und Seen und es ist sehr warm.

Die Oberfläche liegt in Nordamerika.

Im W. amerikas gibt es viel hochland.

Amerika besteht aus 2 Gebirgsketten. In Süden und Osten sind 2 Meresspiegel.

Die Oberflächenformen Amerikas ist viel mit Gebirgen und Ozians.

Der Alaska liegt Hoch im Norden Amerikas.

Die Berge von Amerika liegen im Westen und sind von N. nach S. und sind Hochebene. Der Rocky Mountains ist an der Küste von der Pazifischen Ozean. Der Anden ist an der Küste von den Atlantischen Ozean.

…und noch ein paar Zitate aus einem Arbeitsblatt, das eine Schülerin bei einer Präsentation (Thema: Die Großlandschaften Nordamerikas)  ihren Mitschülern vorlegte:

Nenne einen Insel von Nordamerika!

Was für Laubmischwelder gibt es in Appalachen? (nenne 3 davon)

Wieviel liter kann ein Kakteen speichern?

Und noch was „Komisches“:

L.: Nenne das Nomen (Substantiv)  zu „kosmisch“?

Sch.: Kosmetik

Na ja, immerhin ein Nomen, oder?

Ich zitiere (jede Zeile aus einer anderen Schülerarbeit – alle Schüler sind in Berlin geboren und aufgewachsen):

In meiner Freizeit verbrenge ich mit meiner Familie oder Freunde gehe mit Freunde raus. Mein Wünch ist das ich als Friseurin oder als Erziehrin arbeiten.

Ich wünsche mir das ich Tischlehr werde und das ich das MSAabschluss schlafe.

Wegen privaten anlessen wekselte ich die Oberschule ich kam am 2008 in die XY-Oberschule. Mein Lieblingsfach ist Deutsch.

Mein besondere Kenntnisse sind, ich kann gut mit Pc umgehen. … Ich würde später gerne als Ingenier arbeiten.

Mein Vater ist gelehrter Kraftfahrer.

Hobbys viel Sport. Berufswunsch Koch.


Anruf einer Mutter beim Schulleiter mit der Aussage, dass ihre Tochter immer zu spät zur Schule käme, weil der Bus immer so voll sei und das Mädchen dann den Nachfolgebus nehmen müsse…

Normale Schüler

16. März 2009

Gestern war es lustig, heute eher frustig…

Bei 17 Schülern in der 8.Klasse beschäftigen mich und meine Kollegin derzeit folgende Nebensächlichkeiten – jenseits des Unterrichts:

Schüler 1: hatte heute Gerichtsverhandlung, Sitzung mit Jugendamt und Jugendgerichtshilfe, schlägt aus Spaß und schießt mit unsichtbarer MPi auf Mitschüler, Delikt außerhalb der Schule

Schüler 2: Telefonate und schriftliche Bitten um Familienhilfe beim Jugendamt und Psychosozialen Diensten, damit die Familie die Tochter im Sommer nicht wegen ihres nichtkonformen Verhaltens (sehr undezent geschmikt und körperbetont bekleidet, schläft und isst kaum…) in den Libanon „zurück“schickt

Schüler 3: Kontakt zu einer Lehrerin einer anderen Schule, die nach Beendigung des Wandertages von meiner Schülerin im Park auf arabisch als Schlampe und Schlimmeres beschimpft wurde, diese Schülerin hatte am Tag vorher die x-te Konferenz, wo sie Verhaltensbesserung gelobte …

Schüler 4: dito und seit Wochen erfolgloses Bemühen, die Eltern zum Gespräch in die Schule zu bekommen – ebendjener Schüler sagte am Mittwoch nach Bekanntwerden des Amoklaufes grinsend: „Schade, dass das nicht an unserer Schule passiert ist!“ und später fragte er meine Kollegin, wieso wir alles noch schlimmer machen würden (indem wir immerzu seine Eltern einladen wollten), dadurch würde der Hass doch nur größer – er meinte den Hass auf Deutsche (er selber besitzt seit einem halben Jahr den deutschen Pass und bat, nachdem er festgestellt hatte, dass sein Name im Pass falsch geschrieben ist, die Schulsekretärin (!), dies doch mal schnell zu ändern…)

Schüler 5: permanenter Kontakt mit Familienhelferin und Mutter wegen laufenden Schwänzens oder Krankseins, Kontakt zum Amtsarzt

Schüler 6: Kontakt zu Therapeuten und Familienhelferin sowie Lehrerin, weil gerade als Gastschülerin woanders

und so weiter

Insgesamt werden von 17 Schülerinnen und Schülern nur fünf nicht besonders betreut oder auffällig, so dass sie im Moment von uns lediglich unterrichtet werden…

Wir freuen uns schon auf die Umwandlung der Hauptschule in die Sekundarschule, die gigantischste Sparmaßnahme des Berliner Senats seit Jahren, weil dann 27-29 Schüler in unserer Klasse sitzen werden…

Phantomschmerzen

15. März 2009

Neulich in der 8.Klasse:

Eine Schülerin sieht aus, als ob sie gleich niesen müsse. Die Lehrerin sagt: „Hatschi!“

Darauf die Schülerin (ernsthaft): „Nein, nein, ich hab Gehirnschmerzen…“

Einige Schüler grinsen in sich hinein.

Eine andere Schülerin dreht sich um und rät ihrer Mitschülerin: „Dann nimm doch ‘ne Gehirntablette!“

Ob das ein Scherz oder ein ernstgemeinter Tipp war, vermag ich nicht wirklich zu beurteilen.

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.